Bundesregierung erhöht Kurzarbeitergeld

Die Bundesregierung hat eine gestaffelte Erhöhung des Kurzarbeitergeldes beschlossen. Laut einer Umfrage schätzen 40 Prozent der Kurzarbeiter ohne bisherige Aufstockung, dass das Geld maximal drei Monate reicht. Von Alice Greschkow

Wegen der Corona-Krise kommen viele Betriebe in wirtschaftliche Engpässe und müssen Kosten einsparen. Der Bund setzt auf die Kurzarbeit, um die Risiken für Arbeitnehmer abzufedern. Bereits zu Beginn der Krise kündigten Finanzminister Olaf Scholz, Arbeitsminister Hubertus Heil und Wirtschaftsminister Peter Altmaier an, dass als eine unterstützende Maßnahme die Sozialbeiträge der Kurzarbeit vom Bund übernommen werden. Nun wurde eine Erhöhung beschlossen.

Gestaffelte Erhöhung des Kurzarbeitergeldes

Wer von Kurzarbeit betroffen ist, erhält bisher 60 Prozent des bisherigen Nettolohns. Der Anteil beträgt 67 Prozent für Eltern. Um Arbeitnehmer zu unterstützen, beschloss die Bundesregierung, dass das Kurzarbeitergeld ab dem 4. Monat auf 70, bzw. 77 Prozent angehoben wird, ab dem 7. Monat sollen sogar 80, bzw. 87 Prozent ausgezahlt werden.

Die Regelung soll vor allem Menschen in kleinen und mittelständischen Unternehmen ohne tarifliche Vereinbarung zum Kurzarbeitergeld, sowie Arbeitnehmern im Niedriglohnsektor helfen. Großkonzerne wie Volkswagen, die Deutsche Bahn oder die Deutsche Telekom haben bereits vor der Corona-Krise Vereinbarungen zu höheren Auszahlungen des Kurarbeitergeldes getroffen – sie zahlen zwischen 80 und 95 Prozent des Kurzarbeitergeldes. Auch in anderen Industriesektoren gibt es arbeitnehmerfreundliche Vereinbarungen, allerdings betreffen diese einen geringen Anteil der arbeitenden Bevölkerung.

Kurzarbeitergeld reicht oft nur wenige Monate 

Laut einer Umfrage der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung in Kooperation mit dem Marktforschungsinstitut Kantar schätzen 40 Prozent der Arbeitnehmer, die keine Aufstockung erhalten, dass sie mit dem Kurzarbeitergeld lediglich drei Monate über die Runden kommen. Dabei wird geschätzt, dass insbesondere die Menschen mit geringem Einkommen häufiger von Kurzarbeit betroffen sein würden. Unabhängig davon, ob Unternehmen eine Aufstockung anbieten oder nicht, geben ein Drittel (32 Prozent) an, dass sie mit dem Kurzarbeitergeld maximal drei Monate auskommen, jeder Fünfte (20 Prozent) gab an, dass das Geld drei bis sechs Monate für die Kostendeckung reichen würde.

40 Prozent der Arbeitnehmer in Kurzarbeit ohne Aufstockung kommen maximal drei Monate mit dem Geld aus

Die Böckler-Umfrage deutet darauf hin, dass die Anzahl der in Kurzarbeit beschäftigten Menschen höher sein könnte, als bisher angenommen. 14 Prozent der Befragten gaben an, bereits in Kurzarbeit zu sein – hochgerechnet entspricht das vier Millionen Arbeitnehmer in Deutschland. Dies wären 1,5 Millionen Menschen mehr, als die Bundesagentur für Arbeit geschätzt hat. Ein Viertel der Befragten machen sich große Sorgen um die eigene wirtschaftliche Situation, weitere 46 Prozent geben an, sich einige Sorgen zu machen. Ein Drittel hat keine Sorgen über die eigene Situation.

Kurzarbeitergeld im internationalen Vergleich

Viele europäische Länder haben eine lange Tradition des Kurarbeitergeldes – und zahlen zum Teil sehr viel mehr an die Arbeitnehmer als Deutschland. Dänemark und die Niederlande zahlen 100 Prozent auf Bruttobasis, Irland 100 Prozent auf Nettobasis. Großbritannien zahlt 80 Prozent auf Bruttobasis, Frankreich 84 Prozent auf Nettobasis. Wird das Bruttoentgelt als Grundlage genommen, ergibt sich oft eine höhere Lohnkompensation, je nachdem welche Besteuerungen greifen. Deutschland bildet in Europa eines der Schlusslichter mit dem bisherigen Satz des Kurzarbeitergeldes.

Kurzarbeitergeld auf Nettobasis
Irland 100%
Österreich 90%
Frankreich 84%
Spanien 70%
Deutschland 60%

Wie viele Menschen von Kurzarbeit wegen der Corona-Krise betroffen sein werden, ist gegenwärtig schwer abzuschätzen. Das Instrument hilft jedoch Arbeitnehmern ihre Kosten zu decken und dabei noch immer durch ihren Konsum die Wirtschaft in Gang zu halten. Dies scheint eine Priorität auch für die Arbeitnehmer zu sein: 94 Prozent sind besorgt um die gesamtwirtschaftliche Lage.

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