Fachkräftemangel: Die öffentliche Hand wird schwächer

Der öffentlichen Verwaltung droht eine Personallücke von bis zu 16 Prozent im Jahr 2030. Jede achte Stelle wäre damit unbesetzt – daran ist nicht nur die Demografie, sondern die geringe Attraktivität der öffentlichen Hand schuld. Auch die Bürokratie muss ihre Organisation weiterdenken. Von Alice Greschkow

Die öffentliche Verwaltung bietet im Vergleich zur Privatwirtschaft klare Vorteile: der Arbeitsplatz ist oft sicher und langfristige Planung ist möglich, Überstunden sowie Leistungsdruck sind unwahrscheinlicher und die Arbeit dient der Gesellschaft und hat damit einen altruistischen Sinn. Dennoch steuert die öffentliche Hand auf eine einschneidende Personalkrise zu. Fachkräfte wandern ab.

Demografie und fehlende Attraktivität führen zu Fachkräftemangel

Das Beratungsunternehmen McKinsey sprach mit 165 Führungskräften aus der öffentlichen Verwaltung, um den Status Quo der Personalfragen zu untersuchen. Das Ergebnis ist erschreckend: bis 2030 wird jeder dritte Arbeitnehmer im öffentlichen Dienst in Rente gehen, beim gegenwärtigen Rekrutierungstempo droht eine Lücke von 731.000 Fachkräften – jede achte Stelle wäre damit unbesetzt.

Die Gefahr, dass die öffentliche Verwaltung mit der Arbeit nicht hinterherkommt und Aufgaben im Interesse der Öffentlichkeit nicht ausreichend erledigen kann, ist somit real. Vor allem junge Akademiker sehen ihre berufliche Zukunft selten in solchen Institutionen, während das eindeutige an der Privatwirtschaft deutlich größer ist. Auch für Fachkräfte, die die öffentliche Verwaltung verlassen, bieten Unternehmen mehr Vorteile. Die Vergütung in der Privatwirtschaft ist vornehmlich für das Abwandern von Fachkräften verantwortlich, doch nicht der einzige Grund, weshalb die Organisationen unattraktiv sind.

Kultureller Wandel wird häufig missachtet

Weshalb die öffentliche Verwaltung unattraktiv ist, liegt zu großen Teilen auch an der Arbeitskultur, fehlenden Vorbildern, geringen Karriereperspektiven und einem nicht vorhandenen, bzw. veralteten Werteversprechen. Dass der Trend gerade zu mehr wertorientierten Berufsentscheidungen geht, ist keine Neuheit.

Über 70 Prozent der Fachkräfte der öffentlichen Verwaltung geben jedoch zu, dass sie kein Werteversprechen haben oder dies älter als fünf Jahre alt ist. Von denjenigen, die die öffentliche Verwaltung verlassen, geben 35 Prozent an, dass der Mangel an inspirierenden Führungspersönlichkeiten ausschlaggebend für den Wechsel sei. Für 31 Prozent ist die Organisationskultur veraltet.

Personalsuche zur Chefsache machen

47 Prozent der befragten Führungskräfte geben an, dass das Rekrutieren von Nachwuchs herausfordernd sei. Die Experten von McKinsey empfehlen daher die Suche nach dem passenden Personal zur Chefsache zu machen und die Spielräume zu nutzen, die bestehen. Selbst wenn es schwierig ist, an der Gehaltsdimension viel zu ändern, können andere Stellschrauben gedreht werden.

Dazu gehörten ein aktuelles Werteversprechen und eine klare Verknüpfung der Tätigkeiten der Bürokratie zum gesellschaftlichen Mehrwert. Genauso gibt es Möglichkeiten auf Organisationsebene, um attraktiver zu werden: Mentoring-Programme, Innovationsräume und transparente Karrierepfade mit Feedback können motivierend wirken. Dafür müssen öffentliche Institutionen aber auch innere Widerstände ablegen und Neugier zu experimentieren entwickeln. Mit der drohenden Personalkrise, gibt es genug Anlass für ein Umdenken.

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