Wie Hubertus Heil die Zukunft der Arbeit sichern will

Arbeitsminister Hubertus Heil hat eine Reihe von Ideen, um den Wandel der Arbeitswelt zu meistern. Er sieht den Schlüssel unter anderem in der Förderung von Qualifizierungsmaßnahmen. Die größte Herausforderung liegt jedoch nicht nur an der Politik. Von Alice Greschkow

  • Freitag, 17. Januar 2020

Arbeitsminister Hubertus Heil hat 2019 einen Maßnahmenplan vorgestellt, um politisch auf den Wandel der Arbeitswelt zu reagieren. Er sprach über anderthalb Jahre mit Arbeitnehmern, Sozialpartnern und Arbeitgebern. In einem Tagespiegel-Interview verriet er welche konkreten Ideen er hat, um den dringenden Transformationen gesetzlich entgegenzutreten – wachsende Anforderungen, sinkender Bedarf in bestimmten Branchen und Berufsbilder, die sich schnell ändern.

Arbeitsminister Hubertus Heil, Foto: BMAS

Arbeit-von-morgen-Gesetz soll Qualifikationen fördern

Heil greift die Stimmung auf, die aus der Wirtschaft kommt: gerade die Auto- und Zuliefererindustrie hat 2019 die Folgen der Rezession zu spüren bekommen. Die Debatte um E-Mobilität und die Energiewende besorgt viele Bürger. Das Handelsblatt meldete beispielsweise, dass die Elektromobilität über 400.000 Arbeitsplätze kosten könne. Zwar werden die Zahlen im Szenario angezweifelt, doch die Tendenz, dass technologischer Fortschritt mit neuen Anforderungen einhergeht, ist real.

Heil will mit einem Gesetzentwurf auf diese Veränderungen reagieren. Beim „Arbeit-von-morgen-Gesetz“ seht der Politiker vor, Sozialversicherungsbeiträge im Falle von Kurzarbeit zu übernehmen, wenn eine Qualifikationsmaßnahme daran gekoppelt ist. Er geht davon aus, dass sowohl im produzierenden Gewerbe, als auch in Handel und Logistik starke Umbrüche in den kommenden Jahren auftreten werden. Insgesamt sieht er es als notwendig mehr politische Gestaltungsmöglichkeiten in der Zeitarbeit zu entwickeln.

Heil hat auch andere Ideen für die Zukunft der Arbeitswelt – ein Recht auf Homeoffice, wo es möglich ist, ein Mindestlohn auf 12 Euro, flexible Lebenszeitkonten, die auf individuelle Lebenssituationen reagieren können. Der Vorstoß nach geförderter Qualifikation scheint jedoch der dringlichste zu sein. VW-Chef Herbert Diess mahnte die Führungskräfte des Autokonzerns kürzlich, dass die deutsche Fahrzeugbranche fehlenden Mutes von der amerikanischen Konkurrenz in puncto Digitalisierung und Innovation abgehängt werden könne.

Mentalitätswechsel nötig

Diess‘ Worte waren ungewöhnlich scharf. Er betonte, Volkswagen sich zu einem Digitalkonzern wandeln und technologisch schneller und couragierter vorgehen müsse. „Wenn wir in unserem jetzigen Tempo weitermachen, wird es sogar sehr eng“, erklärte der Vorstandsvorsitzende des Autokonzerns. Die Dringlichkeit seiner Rede ist ein Indiz dafür, dass es eine Herausforderung gibt, die auch die Politik nicht lösen kann – auch wenn sie fälschlicherweise oft zur Rechenschaft gezogen wird: Deutschland hat eine Mentalität der Gewohnheit entwickelt, in der Quereinstiege noch als skurril betrachtet werden und das Interesse an Fortbildungen gerade dort gering ist, wo Qualifikationsmaßnahmen notwendig wären. 

Huberts Heil hat erkannt, dass es einen Bedarf an Modernisierung und Qualifizierung von Arbeitskräften notwendig ist, um ein gutes Niveau an Beschäftigung und Lohn zu halten. Die finanziellen Anreize durch die Übernahme von Sozialversicherungsbeiträgen im Falle von Kurzarbeit, können allerdings nur eine Maßnahme für punktuelle Krisen sein. Zwar können einige Arbeitnehmer von der notgedrungenen Qualifikation profitieren, doch die Wurzel der Probleme wird damit nicht bekämpft.

Die Mahnung von Herbert Diess und der Druck auf die Zuliefererbranche sind eine Erinnerung dafür, dass es keine Garantie dafür gibt, dass traditionelle Branchen langfristig dominieren. Selbstverständlich erfolgen Veränderungen und Anpassungen erst, wenn es sein muss – man investiert in Fortbildungen, wenn eine Qualifikation erst nicht reicht und lenkt um, wenn eine Krise trifft. Die Politik sollte ihre Gestaltungsmacht nutzen, um dort anzusetzen und nicht erst Anreize zu schaffen, wenn es notwendig ist, sondern Unternehmen und ihre Arbeitnehmer dabei unterstützt nachhaltig

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