Von Alice Greschkow

Künstliche Intelligenz (KI) hält Einzug in die Arbeitswelt und verändert das Verhältnis zwischen Mensch und Maschine nachhaltig. Das Tech-Unternehmen Oracle und die Personalvermittlung Future Workplace haben in einer Umfrage unter rund 8.400 Arbeitnehmern, Managern und Personalern herausgefunden, dass neue Technologien immer stärker angenommen werden – der Enthusiasmus ist jedoch nicht überall gleich.

Ein Mädchen begegnet einem Roboter auf einem Markt in Osaka, Japan;
Foto: Andy Kelly

Die „AI@Work Study 2019“ bestätigte intuitive Annahmen, wie dass die jüngeren Generationen unter 35 Jahren Künstlicher Intelligenz offener gegenüberstehen und sich dadurch mehr Vorteile versprächen, als die Babyboomer. Doch auch einige unerwartete Erkenntnisse kamen zutage: 64 Prozent der Befragten würden einem Roboter mehr vertrauen als ihrem Vorgesetzten – zum Teil liegt dies daran, dass knapp ein Drittel der Studienteilnehmer angaben, dass sie KI-Systemen eher zutrauen Information unbefangen weiterzugeben. Klar ist eines: Künstliche Intelligenz wird schnell angenommen – während in der Vorjahresstudie nämlich nur ein Drittel die neue Technologie nutzen, war es 2019 bereits die Hälfte der Befragten.

China und Indien nutzen mehr KI und sind euphorischer

Mit Blick auf die Zukunft dominiert die Zuversicht bei der Anwendung von KI in der Arbeitswelt – 53 Prozent der Befragten gaben an, optimistisch über die Aussicht seien mit einem digitalen Assistenzsystem zusammenzuarbeiten. Der am häufigsten genannte Vorteil, den sich die Arbeitnehmer und Führungskräfte ausmalen ist ein Gewinn an Zeit (46 Prozent), ein Viertel nannte aber auch die Hoffnung auf mehr strategische Arbeit. Es gibt jedoch eindeutige Unterschiede in den Einstellungen zwischen den Ländern.

Oracle und Future Workplace befragten Personen aus den USA, Großbritannien, Frankreich, Japan, Singapur, China, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Indien, Neuseeland und Australien und Brasilien – eine klare Tendenz zeichnet sich ab: während die asiatischen Schwellenländer Indien und China am optimistischsten in Zukunft blicken, sind die Europäer und Japaner eher verhalten. Dies hängt auch mit der Altersstruktur ab – in Westeuropa sind es gerade die Babyboomer, die gegenwärtig in wirtschaftlichen Führungspositionen sind und den Takt für den Fortschritt angeben.

In China, Indien und Singapur ist auch die Auffassung am stärksten vertreten, dass Führungskräfte in Zukunft durch Roboter, bzw. digitale Assistenten ersetzt werden. Gleichzeitig hoffen 60 Prozent der befragten Arbeitnehmer, dass ihr Arbeitgeber ihren Arbeitsplatz von der Automatisierung schützt. Die asiatischen Länder sehen möglicherweise bereits mehr direktes Potenzial in der Anwendung von KI – 78, bzw. 77 Prozent der Inder und Chinesen geben nämlich an, bereits KI im Arbeitsalltag zu nutzen. Im Vergleich dazu sehen die 32 Prozent in Frankreich mager aus.

Menschliche Fähigkeiten werden geschätzt

Doch es tritt in den Vordergrund, für welche Eigenschaften Menschen in Leitungspositionen tatsächlich geschätzt werden: 45 Prozent der Befragten gaben an, dass ein Mensch ihre Gefühle besser nachvollziehen kann – außerdem werden Coaching und die Entwicklung der Unternehmenskultur stärker bei Managern aus Fleisch und Blut angesiedelt. Skepsis gegenüber den digitalen Lösungen wird auch in puncto Datensicherheit deutlich – 71 Prozent der Befragten gaben für diesen Bereich Bedenken an.

Oracle und Future Workplace haben mit ihrer Studie einen Hinweis darauf gegeben, wohin die Reise geht – für die alternden Gesellschaften ist die Adaption von modernen Technologien noch eher eine Hürde als in kompetitiven und neugierigen Volkswirtschaften. Gerade in Europa scheint der Fokus in den vergangenen Jahren nicht auf zukunftsorientierten Wirtschaftsimpulsen gelegen zu haben, sondern auf der Tilgung der Haushalts- und Finanzkrise sowie den Umgang mit Populismus – in der Zwischenzeit hat sich die Welt jedoch weitergedreht und das Phänomen des leap froggings wurde gerade in China deutlich. Künstliche Intelligenz wird die Arbeitswelt transformieren – auf welche Weise gilt es noch auszuhandeln.

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