Deutschland pendelt – ist Homeoffice die Lösung?

Immer mehr Deutsche pendeln zur Arbeit – und legen immer längere Strecken zurück. Dies kann die mentale Gesundheit belasten. Wäre ein Recht auf Homeoffice die Lösung? Von Alice Greschkow

Seit dem Jahr 2000 hat sich die Zahl der Pendler um knapp 1,3 Millionen auf insgesamt 3,4 Millionen Menschen erhöht, die nicht in demselben Bundesland arbeiten, in dem sie auch wohnen. Dies geht aus Daten der Bundesagentur für Arbeit hervor. Der größte Teil fällt auf die Metropolen München, Frankfurt, Hamburg und Berlin ab. Auch die durchschnittliche Strecke hat sich erhöht – insbesondere in den östlichen Bundesländern.

Gesundheitliche Probleme durch Pendeln

In Deutschland verlassen 12,6 Millionen Menschen zum Arbeiten den Stadt- oder Landkreis, 60 Prozent der Arbeitnehmer verlassen zumindest ihre Gemeinde. Die durchschnittliche Pendelstrecke betrug 2018 knapp 17 Kilometer. In einigen dünn besiedelten Regionen in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen beträgt die durchschnittliche Distanz vom Wohnort bis zur Arbeitsstelle sogar rund 30 Kilometer. Dabei pendeln zwei Drittel der Deutschen mit dem Auto.

Deutschland pendelt

12,6 Millionen Menschen verlassen zum Arbeiten ihre Gemeinde

3,4 Millionen Pendler fahren in ein anderes Bundesland zum Arbeiten

17 Kilometer beträgt die durchschnittliche Pendeldistanz

Ab 45 Minuten pro Tag kann Pendeln schädlich sein

Pendeln gilt jedoch als belastend für die Gesundheit – die Techniker Krankenkasse analysierte, dass der Stresspegel von Pendlern höher sei. Zwar sind sie insgesamt seltener krank, jedoch sei dies kein guter Indikator, denn: man geht davon aus, dass sowieso eher gesunde Menschen sich bereiterklären für ihren Beruf längere Strecken zurückzulegen. Auffällig ist, dass wenn Pendler sich krankschreiben lassen, die gründe häufiger bei psychischen Belastungen liegen.

Den Experten zufolge wird eine Pendelzeit von über 45 Minuten pro Strecke belastend. Am meisten nervt dabei die Fahrt im Auto. Inwiefern es gerade in ländlichen Gegenden jedoch einen Zugang zu öffentlichen Verkehrsmitteln zum Pendeln gibt, ist nicht erhoben worden. Auf Frauen hat das Pendeln schlechtere Auswirkungen auf das Privatleben und ihr Wohlbefinden als auf Männer.

Ist Homeoffice eine Lösung?

Immer mehr Unternehmen bieten Homeoffice-Lösungen an, laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und dem Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) gestatteten 2018 knapp mehr als ein Viertel der Unternehmen Homeoffice – insbesondere größerer Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern. Doch obwohl Homeoffice auf dem Vormarsch ist, steigt die Zahl der Pendler und der Strecken.

Dies könnte damit zusammenhängen, dass gerade in den ländlichen Gegenden, in denen Menschen pendeln wenige Arbeitgeber mit über 500 Mitarbeitern ihren Sitz haben. Es sind die kleinen und mittelständischen Unternehmen, die dabei noch zögerlich mit Homeoffice sind. Aus der Politik werden gegenwärtig Ideen um ein „Recht auf Homeoffice“ diskutiert.

Vorbild sind dabei die Niederlande. Seit 2016 dürfen Arbeitnehmer einen Antrag auf Homeoffice beim Arbeitgeber stellen. Dieser darf ihn zwar ablehnen, doch die Tür für mehr Flexibilität wurde mit dem Vorstoß geöffnet. Die Frage ist, wann Homeoffice sinnvoll ist. Menschen erzielen die besten Ergebnisse laut Fraunhofer IAO in Multiräumen – das heißt, wenn sie sowohl Rückzugsräume für konzentriertes Arbeiten, aber auch die Gelegenheit für Austausch und Kollaboration haben. Die meisten Arbeitsformen unterstützen die physische Präsenz von Teams. Vor dem Hintergrund ist es fraglich, ob Arbeitnehmer überhaupt Homeoffice in Anspruch nehmen würden, selbst wenn es rechtlich erlaubt wäre.

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