Drei Dinge, die COVID-19 an der Arbeitswelt verändern könnte

Millionen von Menschen sind in einer Ausnahmesituation wegen der Corona-Krise. Für Familien wird es zum Balanceakt die Erziehung der Kinder und ihre schulische Ausbildung mit den eigenen Aufgaben im Homeoffice zu vereinbaren – sollte Homeoffice überhaupt möglich sein. Andere wiederum sind von Kurzarbeit betroffen und oder verlieren Aufträge und müssen die Produktion niederlegen. Für manche Fällt der Kern ihrer Arbeit weg: der direkte Umgang mit Menschen.

Die Potentiale für die Arbeitswelt dieser ausgewöhnlichen Zeit analysiert Alice Greschkow.

Überstunden gelten nicht als das Maß aller Dinge

In vielen Unternehmen sind Überstunden die unausgesprochene Regel. Dabei erfüllen sie auch eine klare Funktion: Sie bilden die Hierarchie, selbst wenn von flachen Hierarchien gesprochen wird. Wer viel Präsenz zeigt, beweise dieser Logik nach mehr Engagement und Loyalität dem Unternehmen gegenüber. Dass die Effizienz unter einem hohen zeitlichen Einsatz zu leiden schien, rückte dabei in den Hintergrund.

Mit langfristigen Homeoffice-Lösungen können ambitionierte Mitarbeiter ihr Engagement schlechter über Überstunden zur Schau stellen – die hierarchische Ordnung erfüllt ihren Zweck nicht. Die tatsächlich gelieferten Ergebnisse zählen mehr – die Arbeit muss schließlich gerade in Krisensituationen erledigt werden. Davon können insbesondere Frauen profitieren, die in der Karriere oft stagnieren, wenn sie Kinder bekommen und keine Überstunden mehr machen können.

Da Menschen sich jedoch gern in Hierarchien – wenn auch unausgesprochen – organisieren, wird eine andere Ordnung an diese Stelle rücken. Der Grund: es entwickelt sich stets eine Gruppendynamik, bei der ambitionierte Mitarbeiter vorpreschen. Hinter ihnen stehen oft Mitarbeiter, die ihre Arbeit gut machen, aber ihr weniger Wert und Bedeutung beimessen.

Was kommt danach? Insbesondere in Organisationen, in denen Verantwortung und Führung eher weniger an Teams abgegeben wird, ist es kaum vorhersehbar, welche neue Hierarchie sich entwickeln wird. Dass sich eine Ordnung allerdings entwickelt, ist sehr wahrscheinlich.

Persönliche Kontaktpflege wird schwieriger

Für die berufliche Weiterentwicklung, aber auch schlicht für positive Zusammenarbeit ist persönlicher Austausch wesentlich. Dieser fällt durch Corona weg und legt damit einige Steine in den Weg, denn: digital ersetzt nur einen Teil der persönlichen Kommunikation. Man hört zwar Worte, sieht Gestik und Mimik in Videocalls, doch Menschen nehmen sehr viel mehr wahr – Körperhaltung, Augenkontakt, der Händedruck. All diese Informationen fehlen in der digitalen Kommunikation.

Zudem wird die Wahrscheinlichkeit geringer mit neuen Menschen im beruflichen Kontext direkt in Kontakt zu kommen. Klar – über das Internet und soziale Medien sowie Karrierenetzwerke scheint es unheimlich leicht, mit potenziellen neuen Arbeitgebern oder Experten in Berührung zu kommen. Doch während in realen Begebenheiten Menschen nicht weglaufen können, muss niemand auf die Direktnachricht eines Interessenten auf LinkedIn oder Xing antworten. Auf Veranstaltungen, Meetings und Podiumsdiskussionen hingegen, ist diese Aufmerksamkeitsbarriere in dieser Form nicht gegeben.

Digitale Technologien fangen einen wichtigen Teil der Kommunikation ab, aber die Eindrücke, die man online gewinnt, sind funktionaler – das Menscheln fällt schwer. Für diejenigen, die langfristig auf direkten Kontakt verzichten müssen, wird es schwer die Intimität des persönlichen Austauschs digital zu spiegeln.

Digital affine Menschen gewinnen – der Rest wird ausgegrenzt

Weil binnen weniger Wochen die Umstellung auf digitale Kommunikations- und Arbeitsplattformen umgesetzt werden musste, fallen gerade diejenigen positiv auf, die sich mit diesen Technologien wohlfühlen. Das ist vor allem eine Herausforderung für Unternehmen, in denen Teile des Teams älter und/oder digital nur die Grundlagen beherrschen. Corona legt die Digital Skills Gaps offen.

Wer aufholen kann und möchte, wird im Vorteil sein, da die Berührungsängste mit digitalen Technologien nun vielerorts gefallen sind. Voraussichtlich finden sie dadurch häufigeren Gebrauch. Für Arbeitnehmer, die bisher zögerlich mit der digitalen Welt waren, wird die Arbeitswelt zunehmend herausfordernder.

Kein Garant, dass die Arbeitswelt besser wird.

Dass Katastrophen und Krisen Spuren in der Arbeitswelt hinterlassen, ist historisch gut zu beobachten. Die Karten wurden oft neu gemischt, denn neue, innovative Lösungen boten Hilfe bei der Bewältigung der Krise, während Auslaufmodelle noch schneller veraltet wirkten, als sie es waren. Es gibt oft einige wenige Gewinner und viele Verlierer, weswegen sich Ungleichheiten verringern.

Wie die Arbeitswelt sich verändert, ist gegenwärtig schwer abzusehen. Es gibt keine Garantie dafür, dass mehr Menschen durch neue Strukturen und Organisationen profitieren. Die Entscheidungen dafür werden jetzt getroffen. Klar ist: jede Krise hat Profiteure. Unklar ist, wer dies sein wird.

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