Berufsgruppen: Politiker werden am wenigsten respektiert

Die Konrad-Adenauer-Stiftung untersuchte wie es um die Wertschätzung von Berufsgruppen steht. Es zeigt sich, dass die Bürger am wenigsten Wertschätzung für Politik und Medien haben. Hausärzte hingegen genießen viel Respekt. Von Alice Greschkow

Behinderung von Sicherheitskräften, Beleidigungen gegenüber Beamten, Aggression gegenüber Politikern – es gibt eine Reihe von Berufsgruppen, die gegenwärtig einen schweren Stand haben. Die Konrad-Adenauer-Stiftung wollte herausfinden, welche Tätigkeiten tatsächlich weniger respektiert werden – und wen die Bürger am meisten schätzen. 

In Kooperation mit dem Marktforschungsinstitut Kantar wurden in einer repräsentativen Umfrage 1.007 Personen aus der ganzen Bundesrepublik gefragt, von welchen Berufsgruppen sie glauben am meisten respektiert zu sein. Hausärzte, Professoren und Richter bildeten die Spitzengruppe. Zwischen 69 und 75 Prozent der befragten bewerten, dass diese Gruppen (sehr) viel Respekt in der Gesellschaft genießen. Rettungskräfte (57 Prozent), Unternehmer (53 Prozent), Polizisten (45 Prozent), Soldaten (40 Prozent), Pfarrer (38 Prozent) und Lehrer (37 Prozent) bilden das Mittelfeld. Die Schlusslichter sind Politiker (25 Prozent), Journalisten (31 Prozent) und Gewerkschafter (33 Prozent).

Hausärzte
Genießen den größten Respekt von allen Berufsgruppen - 75 Prozent denken, dass sie von der Gesellschaft wertgeschätzt werden
Professoren
kommen mit 72 Prozent auf Platz 2 der am respektiertesten Berufsgruppen.
Richter
werden von 69 Prozent als respektiert eingeschätzt
Rettungskräfte
befinden sich im Mittelfeld - 57 Prozent schätzen die Berufsgruppe als respektiert ein
Unternehmer
Werden von 53 Prozent als respektierte Berufsgruppe eingeschätzt
Polizisten
werden von weniger als der Hälfte als respektierte Berufsgruppe wahrgenommen - 45 Prozent
Soldaten
befinden sich ebenfalls im Mittelfeld - 40 Prozent messen ihnen gesellschaftlichen Respekt bei
Pfarrer
werden von rund einem Drittel als respektierte Berufsgruppe betrachtet - 38 Prozent
Lehrer
liegen knapp hinter den Geistlichen - 38 Prozent schätzen sie als respektierte Berufsgruppe ein
Gewerkschafter
gehören zur Schlussgruppe: lediglich 33 Prozent sehen sie als respektierte Berufsgruppe an
Journalisten
werden von weniger als einem Drittel als respektierte Berufsgruppe eingestuft - 31 Prozent
Politiker
schneiden am schlechtesten ab. Nur 25 Prozent glauben sie gehören zu einer respektablen Berufsgruppe
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Bemerkenswert sind nicht nur die unterschiedlichen Bewertungen von Berufsgruppen, sondern deren zeitliche Entwicklung. Die Befragten wurden nämlich nicht nur gefragt, wie sie die Stellung der Berufe bewerten, sondern auch wie sich ihre Wahrnehmung im zeitlichen Verlauf verändert hat. Mit Ausnahme von Gewerkschaftlern haben alle Berufsgruppen laut der Befragten an Respekt verloren. Besonders stark scheinen Lehrer in den Augen der Bevölkerung gefallen zu sein – ganze 28 Prozent gaben an, früher mehr Respekt vor Lehrkräften gehabt zu haben, auch Hausärzte und Polizisten werden heutzutage merklich weniger respektiert (21 bzw. 18 Prozent gaben dies an). 

Dabei gibt es auch klare Tendenzen auf Grundlage der Parteipräferenz – während Unterstützern der Linken zu 77 Prozent sagen, sie hätten Politiker früher mehr respektiert, geben über die Hälfte der AfD-Sympathisanten an, Lehrer heute weniger zu respektieren als früher. Dem steht ein wachsender Respekt Gewerkschaftlern vor allem seitens der CDU-Anhänger gegenüber. 

Die Entwicklungen scheinen sich in die Beobachtung um die Verrohung der Sitten zu reihen. Studien sowie Experten betonen wiederholt, dass das Klima in Deutschland härter wird – besonders bedenklich ist dies mit Hinblick auf die Abwertung von Berufsgruppen, die eine tragende Rolle für das Gemeinwohl haben –  Beispielsweise wie Polizisten, Rettungskräfte und Lehrer. 

Inwiefern gesellschaftliche Achtung mit der Berufswahl zusammenhängen, ist nicht klar. Der Deutsche Beamtenbund dbb mahnte allerdings im Herbst 2019, dass der Personalmangel sich bei der Polizei und an anderen öffentlichen Stellen erhöht. Dies kann wiederum Ansehen und Zufriedenheit mit den Behörden verringern. Eine Negativspirale von schlechtem Ansehen und sinkender Attraktivität könnte losgetreten werden.

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