Trotz digitaler Transformation: Jugendliche haben klassische Berufswünsche

Jugendliche bevorzugen laut OECD-Studie klassische Berufe für ihren Lebensweg – auch, wenn diese von der Automatisierung bereits bedroht werden. Deutschland sticht an einem Punkt besonders hervor: die Hälfte der Jugendlichen streben keine akademische Ausbildung an. Von Alice Greschkow

Sie leben in einer digitalen Welt, doch digitale Berufe sind nicht attraktiv. Laut der OECD-Studie „Dream Jobs? Teenagers’ Career Aspirations and the Future of Work“ möchte rund die Hälfte der 15-Jährigen in die beliebtesten zehn Berufe einsteigen. Dabei handelt es sich um traditionelle Tätigkeiten wir Ärzte, Polizisten, Lehrer oder Unternehmensmanager.  

Automatisierung verändert traditionelle Berufe

Die Untersuchung war Teil der weltweiten PISA-Studie und zeigt, dass nur ein geringer Teil der Schülerinnen und Schüler sich von zukunftsträchtigen Jobs angezogen fühlt. Unter den Besten in den Fächern der Naturwissenschaften und Mathematik möchten weniger als 15 Prozent der Mädchen und weniger und knapp 22 Prozent der Jungen sich beruflich in den Bereichen Ingenieurwesen oder naturwissenschaftlichen Disziplinen entwickeln.

Die OECD bewertet dies kritisch, da sie das Potenzial für eine radikale Veränderung traditioneller Berufe durch die Automatisierung auf 45 Prozent in Deutschland schätzt. Die häufigsten Berufswünsche von Mädchen in Deutschland sind: Lehrerin (10 Prozent), Ärztin, Erzieherin, Psychologin, Krankenschwester, Architektin, Polizistin, Bürokauffrau, Designerin und Anwältin. Bei den Jungen hingegen gehören IT-Spezialist (7 Prozent), Industriemechaniker, Mechatroniker, Polizist, Arzt, Ingenieur, Architekt und Sportler zu den beliebtesten Berufen.

Gerade in beliebten technischen Berufen, aber auch in der Verwaltung und Büroadministration werden durch Automatisierung und Software viele Tätigkeiten entfallen. Obwohl keine Generation so gut vernetzt war wie die Jugendlichen heute, scheinen Sehnsüchte und Wünsche sich daran zu orientieren, was in der Vergangenheit als guter Beruf verstanden wurde.

Ausbildungen für die Zukunft ausrichten

Deutschland sticht im internationalen Vergleich besonders bei den Ausbildungsperspektiven heraus. 43 Prozent der leistungsstarken Schülerinnen und Schüler gehen davon aus, dass sie keine Universitätsausbildung absolvieren werden – 51 Prozent der deutschen Befragten, die eine Management- oder Führungsposition für sich sehen, streben keinem akademischen Werdegang an.

Dies spricht für die duale Ausbildung in Deutschland. Ausbildungsberufe haben nach wie vor einen guten Ruf und gelten als Sprungbrett für den Aufstieg. Allerdings müssen Ausbildungsberufe in Zukunft viel stärker digitale Inhalte auf die Agenda setzen, um diesen Status auch weiterhin zu halten. Um eine scharfe Diskrepanz in den Gehaltsperspektiven und Erfolgen zwischen Akademikern und Menschen mit beruflicher Ausbildung zu vermeiden, empfiehlt die OECD mehr Informationen in Ausbildungsstätten über Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt bereitzustellen.

Share on facebook
Facebook
Share on twitter
Twitter
Share on linkedin
LinkedIn
Share on pinterest
Pinterest