Urlaub + Arbeit: Auf Rügen wird Work-Life-Balance neu gedacht

Auf der Insel Rügen ist mit “Project Bay” ein Coworking-Living-Space gestartet. Für die Region kann dieser innovative Ort große Chancen bringen – und digitalen Nomaden eine Möglichkeit bieten Urlaub und Arbeit zu verbinden. Von Alice Greschkow

Auf der Insel Rügen ist mit dem „Projekt Bay“ ein Coworking-Living-Space gestartet. Auf dem 700 Quadratmeter großen Areal gibt es Büroplätze, Schlafgelegenheiten und eine Gemeinschaftsküche – in unmittelbarer Nähe zum Strand. Das Projekt wird mit 71.000 Euro vom Land Mecklenburg-Vorpommern unterstützt und könnte richtungsweisend für die Arbeit aus der Distanz sein.

Digitale Nomaden verbinden Urlaub mit Arbeit

„Project Bay“ richtet sich insbesondere an Kreative, Selbstständige und digitale Nomaden, die keinen festen Arbeitsplatz benötigen. Die Digitalisierung macht es möglich. Auf der Webseite wirbt das Projekt mit „Workation“ – der Zusammensetzung der englischen Wörter Work (Arbeit) + Vacation (Urlaub). Arbeit und Freizeit verschmelzen bei dem Konzept. Die Erholung soll möglich sein, gleichzeitig ist die Infrastruktur für produktives Arbeiten und kreativen Austausch verbunden. Wie in den meisten Coworking-Spaces gibt es auch auf Rügen eine Kaffee- und Tee-Flatrate, Drucker und Scanner sowie Unterhaltungsmöglichkeiten wie eine Spielkonsole und Tischtennisplatten.

Diese Art des Arbeitens ist gewiss nur für einen Typus von Arbeitenden möglich, allerdings kann sie Impulse für die gesamte Region setzen. In Schleswig-Holstein machte das „CoWorkLand“ bereits Schule – ländliche Coworking-Spaces ziehen digital affine Menschen an, die einen Ort suchen, in dem sie Treffen abhalten oder Inspiration sammeln können. Mittlerweile setzt sich das Konzept in ländlichen Regionen in der gesamten Bundesrepublik durch. Durch den Austausch können Ideen für die jeweilige Region entstehen – insbesondere in ländlichen Gegenden hofft man auf neue Wachstumsimpulse durch digitale Lösungen.

Digitalisierung konnte die Landflucht bisher nicht bremsen

Bereits in den 1990-er Jahren sagten Experten voraus, dass das Internet die ländlichen Regionen beleben könnte. Allerdings ist die Prognose damals nicht wahr geworden. Die Gründe liegen auf der Hand – die Internetgeschwindigkeit war schlicht zu schlecht, um Videokonferenzen oder kollaborative Tools zu nutzen. Die Präsenzkultur setzte sich durch. Darüber hinaus versammelten sich digitale Talente und Kreative in urbanen Zentren – dort fanden sie nämlich Austausch und Möglichkeiten des Aufstiegs.

Die Corona-Pandemie hat allerdings bewiesen, dass mittlerweile viele Arbeitgeber auf Homeoffice umsteigen können und Prozesse gut laufen. Für Arbeitnehmer entstehen mehrere Vorteile: sie sparen Zeit und Geld durch weniger Pendeln, können durch eine höhere Zeitautonomie Familie und Beruf vereinbaren und können langfristig in günstigeren Regionen wohnen bleiben. Der Druck auf den Umzug in die Stadt wird geringer.

Chance für strukturschwache Regionen

Dass das Land Mecklenburg-Vorpommern das „Project Bay“ gefördert hat, ist nicht verwunderlich. Nicht nur aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten sind Möglichkeiten für digitales Arbeiten attraktiv. Auch aus politischer und gesellschaftlicher Perspektive lohnt es sich, Coworking-Spaces und moderne Arbeitsorte zu fördern. Wie viele ländliche Regionen – insbesondere in den ostdeutschen Bundesländern – sorgte die Landflucht dafür, dass Innenstädte verödeten, junge Menschen wegzogen und Einrichtungen der Grundversorgung wie Ämter, Schulen und Krankenhäuser schließen mussten. Für diese Regionen können digitale Hubs eine Zukunftschance sein. 

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